Vorträge, Informationen über das Schulleben, Gäste, Neuwahl Vorstand
Wissen verbindet — Ehemaligentagung stärkt Austausch und Zukunftsperspektiven

„Wie immer: Am letzten Freitag im Januar ist Vortragstagung“, heißt es im Programm der Ehemaligentagung, die alljährlich von der Höheren Landbauschule (HLS) Rotthalmünster gemeinsam mit der Verbindung der Absolventen der Höheren Landbau-schule Rotthalmünster e. V. (Absolventenverbindung) organisiert wird und zu der rund 500 ehemalige „HLSler“ angereist waren.

Der Vormittag begann thematisch zweigeteilt. Die Schweinehalter versammelten sich im Speisesaal der HLS und wurden zu Beginn von Johannes Brunner von der Stabstelle KI und Wissensmanagement der Staatlichen Führungsakademie für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (FüAk) über Künstliche Intelligenz (KI) – das am schnellsten wachsende Medium in den letzten Jahren – auf den neuesten Stand gebracht. Brunner nannte Beispiele, wo KI in der Landwirtschaft Anwendung findet. Er betonte: „Noch kann man sich nicht zu 100 % auf die gängigen Chatbots verlassen, da diese manchmal zum Halluzinieren neigen.“

Bianca Simmet, Lehrerin an der HLS Rotthalmünster, widmete sich anschließend dem Thema „Was rechnen aktuell die Studierenden an der HLS?“ Geflügelfleisch erfreut sich stetig wachsender Beliebtheit, deshalb wählten sechs Studierende der A Klasse das Facharbeitsthema „Einstieg in die Masthähnchenhaltung“. Trotz derzeit guter Förderkonditionen fasste ein Schüler es treffend zusammen: „Viele Betriebe sind aktuell sehr blauäugig – der Einstieg in die Hähnchenmast wird keine Gelddruckmaschine.“

„Blattdüngung – Möglichkeiten und Grenzen“ lautete das Thema von Pflanzenbauberater und Lehrer Daniel Geiger. Calcium zum Beispiel sei meist im Boden ausreichend vorhanden, allerdings in der Pflanze nicht verlagerbar. Deshalb sei eine Düngung einiger Nährstoffe über den Boden wirkungslos und müsste über die Blätter bzw. Früchte erfolgen. Geiger warnte: „Bei zu hoher Dosis besteht die Gefahr der Blattschädigung.“
Jessica Becker, Lehrerin für Produktion und Betriebsführung an der HLS, widmete sich schließlich der Frage, ob sich Investitionen in höhere Haltungsstufen lohnen. „Derzeit ist Haltungsstufe 3 die wirtschaftlichste Variante. Ab Haltungsstufe 4 und 5 sind die Kostensprünge und vor allem der Arbeitszeitaufwand enorm“, resümierte sie.
Für die Rinderhalter begann das Programm in der Rottalhalle. Dort startete die Vortragsreihe mit Daniel Geiger und dem Thema „Wie stark schadet uns eine N Reduktion im Futterbau?“ „Versuche mit einem um 20 % reduzierten Düngebedarf führten zu deutlichen Mindererträgen“, berichtete Geiger und fügte hinzu: „Betriebe mit organischer Düngung müssen wegen der Anrechnung organischer Dünger in der Düngeverordnung mit stärkeren Ertragsrückgängen rechnen als Betriebe ohne organische Düngung.“

Anschließend erörterte Jessica Becker die angepassten Versorgungsempfehlungen für die heutige Milchkuh und behandelte Sojavollbohnen in der Fütterung und in der Lagerung. Bei Versuchen zur Stabilität des Fettanteils zeigte sich: „Je höher der Aufbereitungsgrad, desto anfälliger sind die Bohnen für Fettverderb.“
Nach dem inhaltsgleichen Vortrag von Johannes Brunner über KI in der Landwirtschaft referierte Bianca Simmet im Rinderbereich zum Thema „Elektrifizierung am Betrieb: Lohnenswert?“ Einige Schüler der B Klasse hatten sich in ihren Facharbeiten mit diesem Thema beschäftigt und den Vergleich dieselbetriebener und strombetriebener Geräte untersucht. Ein Fazit eines Schülers lautete: „Durch geringere Verluste im Vergleich zu Verbrennungsmotoren kann ich den Energiebedarf auf meinem Betrieb um bis zu 30 % senken.“ Ein anderer Schüler ergänzte: „Nur durch meinen günstig selbst erzeugten Strom aus der PV Anlage wird der Umstieg tatsächlich wirtschaftlich.“

Georg Müller, Geschäftsbereichsleiter der Privatmolkerei Bechtel aus Schwarzenfeld in der Oberpfalz, war als Gast und Milch-Experte geladen. Er stellte das Unternehmen vor, dessen Einzugsgebiet bis nach Oberbayern reicht, und erläuterte, dass aus Nebenprodukten wie Molke in der firmeneigenen Biogasanlage Strom erzeugt wird. „Die Lage auf dem Milchmarkt ist angespannt; das zeigt sich deutlich am Preisverfall bei Butter“, sagte Müller. Er scheute nicht Kritik zu üben an Landwirtinnen und Landwirten, die feste Preise fordern, sich im Gegenzug aber nicht auf verbindliche Liefermengen festlegen wollen.

Nach diesem Vortragsteil begann am Nachmittag die Mitgliederversammlung der Absolventenverbindung. Nach der Begrüßung durch den bisherigen 1. Vorsitzenden Manfred Aue sprach der ehemalige Schulleiter Robert Schnellhammer ein Grußwort. Er berichtete kurz über seinen Spagat zwischen Schulleitung und Betriebsführung und schloss mit den Worten: „Schön, unter euch zu sein.“ Nach dem Kassenbericht des Kassiers Markus Weinhardt bescheinigte Kassenprüfer Josef Krautloher die einwandfreie Führung der Kassengeschäfte. Einstimmig wurde die Vorstandschaft anschließend von den anwesenden Mitgliedern entlastet.

Aufgrund allgemeiner Preissteigerungen beantragte Aue im weiteren Verlauf, den bisherigen Mitgliedsbeitrag von 10 € auf 15 € zu erhöhen. Auch dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Schließlich stand noch die Neuwahl der Vorstandschaft auf dem Programm. Als Wahlleiter fungierte Helmut Ramesberger, Behördenleiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Passau. Die neue Vorstandschaft setzt sich wie folgt zusammen:

  • 1. Vorsitzender: Manfred Aue (Fürstenzell)
  • 2. Vorsitzender: Florian Löw (Rotthalmünster)
  • Kassier: Markus Weinhardt (Rotthalmünster)
    • Anna Stürzer (Höhenkirchen)
    • Martin Johannes Huber (Bad Feilnbach)
    • Martin Huber (Steegen/Österreich)
    • Alois Penninger (Fürstenzell)
    • Thomas Schmöller (Neuhaus/Inn)
    • Philipp von Trotha (Geiselhöring)
    • Reinhard Lindinger (Ortenburg)
    • Fritz Wieland (Stubenberg)
  • Kassenprüfer: Josef Krautloher (Fürstenzell), Hans Wölkl (Fürstenzell)
  • Geschäftsführer (gestellt von der HLS): Schulleiter Fabian Werner
Die neu gewählte Vorstandschaft der AbsolventenverbindungZoombild vorhanden

Die Vorstandschaft der Absolventenverbindung

Schulleiter Fabian Werner berichtete anschließend über Aktuelles aus der Höheren Landbauschule. Besonders hob er den hohen Anmeldestand hervor: Bis dato haben 51 Männer und Frauen eine Anmeldung eingereicht. Wahrscheinlich werde man heuer eine Auswahl treffen müssen. „Das Ministerium hat mir aber zugesichert, dass die Interessierten dann die Möglichkeit bekommen, andere HLS Standorte zu besuchen. Niemand soll abgewiesen werden“, erläuterte Werner erleichtert.
Schließlich ging der Schulleiter noch auf das Thema Mercosur ein. Er bekannte klare Kante für das umstrittene Freihandelsabkommen: „Mercosur stärkt den regelbasierten Freihandel, der in Deutschland und Europa in den vergangenen Jahrzehnten für Frieden und Freiheit gesorgt hat.“ Er fügte hinzu: „Geht es der Wirtschaft gut, ist der Staat handlungsfähig, was sich letztendlich auch auf das Bildungswesen auswirkt.“

Beim letzten Karpfhamer Fest trafen Werner und Aue zufällig auf Clemens Tönnies und luden ihn spontan zur Ehemaligentagung nach Rotthalmünster ein. Aufgrund von Terminüberschneidungen konnte er nicht persönlich erscheinen; er schickte jedoch in Vertretung Gunnar Rohwäder, Manager Landwirtschaft bei der Tönnies Rind GmbH & Co. KG. Nach der Vorstellung des Betriebes verdeutlichte Rohwäder: „Wir brauchen den Weltmarkt auch aus ethischen Gründen; nur so kann gewährleistet werden, dass alle Teile des Tieres verwertet werden.“ Insbesondere die sogenannten „Chen“-Produkte (Öhrchen, Schwänzchen, Füßchen) fänden hierzulande kaum Abnehmer, in anderen Ländern wie z. B. China jedoch schon. Unternehmen wie Tönnies stünden deshalb „an der Seite der Landwirte“ und helfen ihnen, alle Produkte zu vermarkten.

Vorstand mit GastrednerZoombild vorhanden

Vorstand mit Gastredner

Aue dankte abschließend allen Ehrengästen fürs Kommen sowie für das ihm entgegengebrachte Vertrauen bei seiner Wiederwahl. Er betonte: „Wissen ist Macht.“ Nur wer Bescheid weiß, könne Gegner der Landwirtschaft argumentativ überzeugen. Er ermunterte alle Anwesenden, weiterhin auf die HLS zu setzen, Fortbildungsveranstaltungen zu besuchen und sich positiv zu zeigen.
Der 2. Vorsitzende Florian Löw ergriff zuletzt noch das Wort. Er dankte dem Caterer in der Rottalhalle und erinnerte die Anwesenden an den abendlichen „Ball der Landwirtschaft“ in Ruhstorf, bei dem viele den Tag ausklingen ließen.

Besucherstimmen:

Johann Brummer, HLS-Jahrgang 2003/2004 aus Fürstenzell
Johann Brummer, HLS-Jahrgang 2003/2004 aus Fürstenzell:
„Ich freue mich immer, meine Berufskollegen wieder zu treffen und genieße deren Gesellschaft und den gegenseitigen Austausch. Gerne nutze ich die angebotenen Fortbildungsmöglichkeiten. Es ist spannend zu sehen, was die derzeitigen Studierenden so interessiert und umtreibt.“
Eva Resl, HLS-Jahrgang 2020/2021 aus Pocking:
Eva Resl, HLS-Jahrgang 2020/2021 aus Pocking:
„Die Ehemaligentagung ist eine tolle Veranstaltung, die ich immer wieder gerne besuche. Die Vorträge haben mir verdeutlicht, dass die Landwirtschaft unter gesellschaftlichem Wandlungsdruck steht. Die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zur Transformation sind aktuell zu unattraktiv.“
Christian Siedersbeck, HLS-Jahrgang 2003/2004 aus Metten:
Christian Siedersbeck, HLS-Jahrgang 2003/2004 aus Metten:
„Ich habe eine etwas längere Anfahrt, die Ehemaligentagung ist für mich aber ein Fixpunkt im Jahresverlauf. Der betriebliche Erfahrungsaustausch mit meinen ehemaligen Studienkollegen ist unheimlich wertvoll. An den Vorträgen schätze ich die große Bandbreite und extreme Komprimiertheit.“